Gottfried Oberwinter
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Marktbericht vom 14. November 2017

Nach nun fast 9 Jahren Kursanstieg an den meisten Aktien – Börsen, muss man sich ernsthaft Gedanken machen, ob diese – fast einzigartige – Hausse noch länger andauern kann. Überschäumender Optimismus sieht anders aus und auch deshalb glaube ich, dass diese Aufwärtsbewegung noch Luft nach oben hat. Die Gewinne der Unternehmen steigen, die Zinsen sind auf einem historisch tiefen Niveau und in Europa soll dies laut dem Notenbankpräsidenten – Herrn Draghi – auch noch etwas länger so bleiben. Jedenfalls so lange wie er es mit seinen gedruckten Milliarden und den Käufen von Anleihen beeinflussen kann. Wütende Sparer halten diese Vorgehensweise für legalen? Betrug am Sparer. Die Ergebnisse bei Festgeldern und oder ablaufenden Lebensversicherungen bringen den Anlegern einen dicken Hals vor Enttäuschung.
Staatsanleihen sind meines Erachtens nicht mehr das sichere Wertpapier, das man mit gutem Gewissen empfehlen kann, denn dafür ist die prozentuale Verschuldung vieler Staaten auf einem Niveau angekommen, das etliche Volkswirte daran zweifeln lässt, ob diese Schulden noch bezahlbar sind. Bei einer Verschuldung von ca. 80% des Bruttosozialproduktes gehen diverse Nobelpreisträger davon aus, dass die Schulden auf Dauer nicht mehr tragbar sind. Die langfristigen Zinsen, die Jahrzehnte um bzw. über 5% lagen – heute nahe oder unter „0“ -, würden dann schon zu großen Problemen für hoch verschuldete Staaten führen. Bei diesem höheren Zinssatz von z.B. 5% ist dann absehbar, dass etliche Staaten in der Folge insolvent werden würden. Beispiel: Venezuela heute mit einem Zahlungsausfall von Standard & Poors gemeldet d.h. fast Pleite. Ein Land mit einem der größten Ölvorkommen der Welt. Venezuela wird bald meines Erachtens noch etliche Nachahmer finden, die es in der Vergangenheit nicht verstanden haben mit den Einnahmen gesund zu wirtschaften. Es ist für eine gewisse Zeit möglich mehr Geld auszugeben als einzunehmen. Politiker glauben anscheinend diesen Mechanismus außer Kraft setzen zu können. Mit gedrucktem Geld und Zinsen, die um 0% oder sogar negativ sind kann man den Zeitpunkt der Abrechnung und den großen Vertrauensverlust noch etwas verzögern. „Aufgeschoben ist mit Sicherheit nicht aufgehoben“, hat man uns bereits in der Kindheit beigebracht. Diese Situation ist für mich einer der Knackpunkte, der die laufende Hausse unterbrechen kann. Wie lange und wann? Spätestens dann, wenn es an den Börsen sprunghaft und unter Euphorie nach oben geht und mein seit vielen Jahren bestehendes Kursziel beim Dow Jones – USA – in Höhe von ca. 52.000 Punkten erreicht ist könnte die Wende eintreten. Ein Aufschwung der Wirtschaft und der Börsen dauert nicht ewig. Nach dem Ende dieses Zyklus wird es auch mal wieder eine Phase der Bereinigung – rückläufige Unternehmensgewinne, steigende Zinsen, Verluste durch fehlgeleiteter Investitionen und der Gesundung (Pleite) der Haushalte von Staaten – geben. Evtl. können sich die hoch verschuldeten Staaten durch eine gewollte höhere Inflation nochmal aus der Misere retten.
Der Musterschüler Deutschland steht nur deshalb noch relativ gut da, weil andere Staaten erheblich schlechter wirtschaften und deswegen eine höhere Verschuldung aufweisen. Bei dem derzeitigem Zinsniveau, das seit Jahren besteht und einer brummenden Wirtschaft, die fast heiß läuft, müsste man mindestens 150-200 Mrd. € Überschuss erwirtschaften und auch mal Schulden tilgen, um in einer Abschwungphase wieder neue Investitionen zu tätigen. Sobald aber ein Überschuß erwirtschaftet wird, was selten genug vorkommt, kommen unseren Politikern / Verbänden reichlich Ideen, dieses Geld zu verbraten. Politiker geben lieber Geld für ihre Wahlgeschenke aus. Leider sind die Geschenke nicht einmalig sondern dauerhaft vorgesehen und werden somit in einer Abkühlungsphase oder Rezession wieder zu höheren Schulden führen. Der Kreislauf der Verschuldung kann dann wieder beginnen bzw. fortgeführt werden. Schade aber so funktioniert die Politik.
Die Last von Steuerabgaben musste bereits vom Bundesverfassungsgericht begrenzt werden, sonst wären die Steuersätze weiter angestiegen.